Himmlische Klänge und Freude an Musik

Die STB Bigband hatte sich zu ihrem Konzert am Samstag den Vibraphonisten Dizzy Krisch eingeladen. „Es ist so schön, mit Leuten zu sein, die so gerne Musik
spielen und hören“, gab der Gast zu Protokoll. Und traf damit den Charakter des Abends: Eine jazzverliebte Band traf auf ein begeisterungsfähiges Publikum.
Von Boris Belge

SINDELFINGEN. Das hatte im Odeon der SMTT keinen freien Platz übrig gelassen. Auf dem Programm standen vorwiegend Jazz-Standards, die in kompaktem Bigbandsatz mit wenigen Soli dargeboten wurden. Zu Beginn erklang einer der mitreißendsten Opener überhaupt: „Sing, sing, sing“ von Louis Prima, das vor allem durch Benny Goodman weltberühmt wurde, trieb mit seinem unfassbar dynamischen Tomtom-Solo mächtig an. Hinter den Drums versammelte sich die Band dann immer wieder und gelangte von Takt zu Takt mehr in den Tritt.
Eine launige Begrüßung durch Bandleiter Django Hödl führte dann zu den nächsten Titeln, in denen Pearl Bretter ihre Stimme zu Gehör brachte. In „I Wish You“ gelang der Übergang vom melancholischen Bar-Piano-Intro zum treibenden Rhythmus vortrefflich, satte Viertel und eine große Bandbreite in der Dynamik bildeten eine Grundlage, auf der Pearl Bretter ihre tragende Stimme entfalten konnte. Mit dem Arrangement von Peter Herbolzheimer hatte die Band eine gute Wahl getroffen.

Gloria Estefans „Conga“ brach dann mit dem klassischen Swing der vorherigen Stücke. Im Latin fühlten sich alle sichtlich wohl, Drums und Percussion entwickelten einen saugenden Drive, der Bläsersatz um die dominanten Trompeten präsentierte sich mit beeindruckender Präzision. Vor lauter Freude über das Musizieren geriet zuweilen die Abstimmung zwischen Solo-Sängerin und Band zum Balanceakt und Pearl Bretter musste alle vokale Kraft aufwenden, um sich zu behaupten.
Der in der hiesigen Jazzszene wohlbekannte Gast des Abends durfte sich und sein Instrument zunächst solo vorstellen. Hödl hatte „himmlische Klänge“ versprochen und damit nicht zu viel. Den ätherischschwebenden Klang des Vibraphons nutzte Dizzy Krisch in „Nature Boy“, um einen nie endenden Sound zu erzeugen, der immer nur von neuem akzentuiert wurde. So kam es zu berauschenden Klangschichten – auf wenigen Instrumenten klingen Akkordschichtungen wohl so schön. Krisch kombinierte das Atmende und das Perkussive seines Instrumentes zu einer faszinierenden Mischung.
Für meditative Klangsphären bot „Blue Rondo `a la Turk“ von Dave Brubecks weltberühmter LP „Time Out“ angesichts der halsbrecherischen Rhythmuswechsel dann keine Gelegenheit. Hier glänzten Band und Krisch stattdessen mit Virtuosität.
Ethnopop und Jazz
Nach der Pause folgten noch einige Jazz-Standards. „Softly as a Morning Sunrise“, hatte Krisch auf einem Workshop mit der STB Big Band einstudiert und leitete es vom Vibraphon aus. Er ließ genug Zeit und Raum für viele Solo-Durchgänge, so dass die Band hier auch die Gelegenheit bekam, ihre solistische Klasse unter Beweis zu stellen.
„Stardust“ gab den Saxophonen die Gelegenheit, sich als homogenen Klangkörper vorzustellen. Einen echten „Aha“-Effekt löste „Kuru Gürültü“ aus, der als einziger Titel des Abends mit wirklich Neuem konfrontierte.Hödl und die Band präsentierten ein echtes Schmuckstück, das in seiner Kombination aus auch hierzulande bekanntem orientalischem Ethno-Pop und Jazzrhythmen eine neue Seite aufschlug. Die satten E-Klänge von Bass und Gitarre und ein Solo von Krisch mit Trillern und rasenden Läufen trieben die Band zur Höchstleistung.

Im Finale griff Hödl dann selbst zur Posaune und Pearl Bretter betrat erneut die Bühne. „Comes Love“ war ein Selbstläufer, der erneut unter Beweis stellte, wieviel Spaß das gemeinsame Musizieren machte. „Day in Day Out“ und drei Zugaben waren die Kür, die einen gelungenen Abend abschlossen.

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