Annapurna Round 2010 – Teil 4


4. Tag Ngadi – Bahundanda – Synage -Jagat
Auf unserer Route durch kleine Siedlungen und Terrassenfelder gewinnen wir einen Eindruck vom dörflichen Leben der Gurung-Bevölkerung. Oft bieten sich weite Ausblicke auf die glänzenden Schneegipfel des Manaslu und Annapurna Himal. Wir kommen zum Ort Ngadi, überqueren den Zufluss des Ngadi Khola (900 m) und steigen dann zum Dorf Bahundanda (1.250 m) Zwischen Manaslu und Annapurna hat sich der Marsyandi eine sehr tiefe Schlucht gebahnt. Mitunter ist nur das Getöse des Wassers zu hören, der Fluss aber nicht zu sehen. Nordwärts wandern wir nach Jagat (1.200 m), das an einem bewaldeten Berghang liegt.
Gehzeit: 7h; Aufstieg: 510m; Abstieg: 200m

Kurz vor halb Sieben sitze ich als Erster und Einziger im „dining room“ in unsrer Lodge in Jagat.

Lodge ist dabei fast schon untertrieben, Hotel würde es wohl besser treffen. Ein mehrgeschossiges Gebäude, mit kräftigen Blautönen gestrichen. An den Pfosten und Wänden hängen zahllose „furchterregende“ Holzmasken, die mit ihren Fratzen und Grimassen die bösen Geistern fern halten sollen. Mir soll´s recht sein. Das eine oder andere Zimmer hat sogar ein „attached bathroom“ – herzlich willkommen Zivilisation.

Wolfgang und ich müssen dieses Mal noch mit der Dusche „auf der Etage“ vorlieb nehmen, aber ich bin sowieso positiv überrascht von der Qualität und dem Komfort der Lodges, so dass ich gerne die paar Meter „über den Flur“ gehen. Zumal die Dusche auch wirklich heiß ist.

Was in den nächsten Tagen nicht immer der Fall sein wird, denn oft ist die „hot shower“ nur kalt oder auch nur heiß. Oder es fehlt mal das Licht, die Tür lässt sich nicht schließen oder das Klo ist ist einem so „gepflegten“ Zustand, dass selbst das Duschen keinen Spass macht. Aber das gehört für mich auch dazu, und spätestens zu Hause gibt es ja wieder Duschkomfort in Reinkultur. Grundsätzlich würde ich aber auf zwei Errungenschaften unserer Zivilisation auf Dauer nicht verzichten wollen: Dusche und Kühlschrank. Über alles andere lass ich mit mir reden.

Jagat soll in naher Zukunft auch mit Jeeps erreichbar sein, die dafür nötige „Straße“ ist schon im Bau, und dann ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis auch die Tagestouristen dieses schöne Dorf für sich entdecken. Schade eigentlich, denn ich finde Jagat so wie es ist viel schöner. Die Einheimischen haben da aber sicherlich eine andere Meinung, auch hier wünscht sich jeder den „Fortschritt“ (ohne vielleicht alle Konsequenzen zu kennen?!).

Der Tag war richtig heiß. Narayan meinte, dass es locker 30 Grad waren und dazu war es richtig schwül bei einer Luftfeuchtigkeit, wie ich sie nur von den Besuchen in Israel im August kenne.

Unser Weg ging wieder durch endlose Reis- und Hirsefelder, teilweise im Schatten, oft in der prallen Sonne. Ich bin überrascht über das fast schon tropische Bild, das sich mir hier bietet, aber wie hat Narayan zu Beginn unser Tour gesagt: wir werden während den 16 Tagen fast täglich immer wieder neue und andere Vegetationszonen durchwandern. Und warum nicht ein wenig Subtropen, bevor es in den nächsten Tagen immer höher und höher gehen wird?

Gegenüber dem Hotel habe ich ein Internet-Café ausfindig gemacht und trotz ultradünner Leitung und mehreren Stromausfällen habe ich ein paar Zeilen für die Daheimgebliebenen auf einhundertdreissigtage.de hinterlassen.

Heute morgen sind wir gegen 6.15 Uhr mit einem unmissverständlichen „Morning“ von Bhim geweckt worden. Nach Zusammenpacken und Frühstück hieß es dann gegen 7.30 Uhr Abschied nehmen von unserer ersten Lodge. Nicht ohne ein erstes Souvenir erstanden zu habe. Das Armband aus echten (?) „Yak-Bone“ macht sich gut finde ich an meinem rechten Arm.

Beim Frühstück habe ich zum ersten Mal „tibetean bread“ probiert. Dazu ein „muesli with apple“. Und diese Kombination wird sich die nächsten Tagen so oder so ähnlich wiederholen. Schmeckt prima und da kann ich schon noch ein Weilchen auf meine Butterbrezel verzichten.

„Tibetean bread“ ist im übrigen frittierter Teig. Ganz ähnlich wie die „Fasnetsküchle“ oder „Apfelküchle“ zuhause bei Mama oder die ungarischen Langos, die es immer auf der Messe gibt. Gibt es deftig mit (Yak-) Käse oder eher süß mit Marmelade oder Honig.

Unsere Mittagspause haben wir bei „veg noodle soup“ im „Mountain Hotel“ in Bahundanda genossen, wobei dessen Werbeslogan „great view on top of the hill“ wirklich mal nicht übertrieben war. Tolle Sicht, wunderschöner Garten, gutes Essen, Sonne – alles gut!

Narayan ist sehr bemüht uns Land und Leute näher zubringen. Er erzählt viel über die nepalesische Kultur und Geschichte, steht immer für die Beantwortung unserer Fragen zur Verfügung und tut ansonsten auch alles, damit wir uns wohlfühlen.

Er erzählt mir, dass er am Goethe-Institut in Kathmandu Deutsch gelernt hat, und die Arbeit als Reiseführer im großen Spass macht, auch weil sie für nepalesische Verhältnisse sehr gut bezahlt ist. Zumal es wohl recht wenige deutschsprachige einheimische Reiseführer gibt. Hier engagiert sich Hauser-Trekking auch selbst sehr aktiv und bildet eigene Reiseführer in Kathmandu aus.

Nach dem Abendessen spaziere ich noch ein wenig durchs Dorf. Die Einheimischen sitzen schwatzend vor ihren Hütten, spielen oder dösen. Kein Fernseher weit und breit, die Menschen haben noch Zeit miteinander zu reden. Schöne neue alte Welt.

Gegen halb Zehn ziehe ich meinen Schlafsack zu und beim Trommeln der Regentropfen auf dem Wellblechdach direkt über mir, lasse ich den Tag Revue passieren und schlafen zufrieden ein.

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