Annapurna Round 2010 – Teil 2

2.Tag: Ankunft in Kathmandu

Ankunft in Kathmandu und Transfer mit unserer örtlichen Hauser-Reiseleitung zum Hotel in Kathmandu. Je nach Ankunftszeit haben Sie nachmittags noch Gelegenheit, einen ersten Stadtbummel durch die Altstadt von Kathmandu zu machen.

Aufstieg: 0m; Abstieg: 0m;

Kathmandu – kaum zu glauben, aber wahr.

Ich stehe an der Visumstelle und wundere mich ein wenig über mein Passfoto, dass schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Männer werden im Alter doch interessanter und attraktiver finde ich!

Auch bei der Einreisebehörde in Nepal hat sich allem Anschein nach„Gruppenarbeit“ durchgesetzt, denn das Ausstellen eines Visums wird in 3 Schritten unterteil, die jeweils von unterschiedlichen Beamten bzw. Beamtinnen ausgeführt werden. Der Erste kassiert (und zwar egal welche Währung, wobei offensichtlich beim Wechselgeld immer großzügig zugunsten Nepal´s abgerundet wird). Die Zweite stempelt und der Dritte überreicht mir meinen Reisepass mit Visum. Jetzt darf ich für gut 8 Wochen in Nepal sein.

Am Gepäckband stapeln sich schon die Hauser-Reisetaschen, und mein Seesack ist zu meiner Erleichterung auch mit dabei. Ich ignoriere die wartenden Träger und schultere ihn selbst. Der Zoll möchte auch nichts von mir bzw. ist mit einer sehr ausführlichen Taschenkontrolle bei einem Einheimischen beschäftigt, so dass ich als einer der erste Fluggäste nepalesischen Boden betrete.

Die Ankunftshalle wimmelt nur so von Wartenden, die meisten mit Schildern á al „Buddha Trekking“, „Himalaja Trecks“ oder „Nepal Adventures“ bewaffnet. „Neckermann Reisen“ und „TUI“ haben es wohl noch nicht bis nach Nepal geschafft, aber nach einigem Suchen entdecke ich das „Hauser“-Schild und steuere freudig darauf zu.

Nach und nach treffen auch die restlichen Mitwanderer ein. Peter und Volker aus Westfalen, Eddy aus Rüdesheim sowie Eva, Ellen, Thomas und Angelika aus dem Schwäbischen. Mit mir sind wir dann eine klare „schwäbische“ Mehrheit, was sich doch gleich ein wenig „heimisch“ anfühlt.

Auch die Rententruppe ist mittlerweile durch Visumstelle und Zoll geschleust worden, allerdings machen die wie vermutet eben nicht die Annapurna-Umrundung sondern ein kulturell orientiertes Programm in und um Kathmandu.

Übereifrige Träger reißen uns unsere Taschen und Rücksäcke aus den Händen und schleppen sie zu unserem Bus, der uns in die Innenstadt bringen soll. Ich gebe aus Ermangelung nepalesischen Rupien einen Euro Trinkgeld, was dem Träger ein kurzes Lächeln auf sein Gesicht zaubert, bevor er sich auf die nächste Gruppe stürzt.

Auch Narayan, unser Reiseleiter, ist da schon mit von der Partie und nach wenigen Minuten fahren wir los in Richtung Innenstadt. Und zwar links! – dem (ehemaligen) Empire sei Dank. Das ist das allererste Mal für mich, und ich bin froh, dass ich nicht fahren muss, sondern nur (rechts?!) schauen darf.

Kathmandu empfängt uns und mich mit viel Verkehr, einem endlosen Hupkonzert von Autos und vor allem Mopeds und Motorrädern, viel Müll und Dreck und sehr viel Armut. Wir fahren an Wellblechhütten vorbei, an Familien, die offensichtlich auf der Straße wohnen und einem Chaos, dass mich an manche Eindrücke aus Cairo erinnert.

Nach ca. 30 Minuten biegen wir rechts ab und erreichen das Hotel Malla, das hinter hohen Mauern und bewacht von uniformierten Pförtnern, unsere Bleibe für die erste Nacht in Nepal sein wird.

„Drinnen“ erinnert nur noch wenig an das Chaos, den Dreck und die Armut von „draussen“. Alles glänzt und schimmert, der Garten ist gepflegt und ich höre sogar ein paar Vögel, die mit ihrem Zwitschern gegen das nun wesentlich leisere Hupen antreten.

Ein schöner Ort, gemacht für Touristen und für die meisten Bewohner von Kathmandu wohl ihr Leben lang unerreichbar.

Narayan begrüßt uns nun ganz offiziell, es gibt einen Willkommens-Drink (kann man den nun trinken, ist der Saft wirklich frisch?), ein paar Formalitäten werden erledigt, und dann stoßen auch noch Barbara und David aus Wien zu uns, die in einem anderen Hotel schlafen, die Trekkingtage aber mit uns verbringen werden.

Wolfgang wird mein Zimmernachbar und wir werden uns all die Tage wunderbar verstehen.

Nach einer kurzen Mittagspause, die ich für eine heiße Dusche nutze, treffen wir uns am frühen Nachmittag wieder, um die ersten Eindrücke von Kathmandu zu sammeln. Zu Fuß versteht sich, und ich habe da schon lange die Turnschuhe mit meinen Flip-Flops eingetauscht, womit ich durchaus dem Kleidungsstil der Einheimischen entspreche.

Es ist überraschend warm und fühlt sich mehr nach Sommer als Herbst an und in wenigen Minuten sind wir in die Thamel eingetaucht, dem „Touristen-Viertel“ von Kathmandu mit vielen Bars, Cafés und Restaurants und noch mehr Läden und Buden, die alles anbieten, was das touristische Herz begehrt.

Das alles erinnert mich doch sehr an die Basare in Jerusalem oder Assuan, und ich fühle mich in dem kunterbunten Chaos sofort wohl und fast ein wenig „heimisch“. Einzig die Autos und Mopeds, die sich hupend durch das Gedränge schieben, stören ein wenig. Wann gibt es die erste Fußgängerzone in Kathmandu?

Für Souvenirs haben wir noch viel Zeit, aber es juckt mich ein wenig in den Fingern und ich freue mich schon aufs Handeln mit den Verkäufern.

Nach einem ersten gemeinsamen Imbiss, in einem sehr netten Gartenlokal mitten in Thamel, bei dem wir erste Bekanntschaft mit dem örtlichen „Everest-Beer“ machen, führt uns Narayan zum Königspalast Hanuman Dhoka, der von Dutzenden Hindu-Tempel eingerahmt ist, die sich mit ihren mehrgeschossigen Dächern rotumrandet in den Himmel schieben.

Die Fotos werden gezückt, erste Erinnerungsbilder werden geknipst und da ist es auch kein Wunder, dass sich auch die ersten „holly men“ zeigen, die es meist grell-organge und auffallend gewandet, vor allem auf das Geld der Touristen abgesehen habe, und liebend gerne Foto-Model spielen – gegen einen kleinen Obolus versteht sich. Das „heilige“ an diesen Männern muss sich mir daher auch erst noch zeigen – für den Anfang fotografiere ich sie aus der Ferne – dem Teleobjektiv sein Dank.

Auf dem Rückweg führt uns Narayan noch am ältesten Tempel der Stadt, der Taleju-Pagode, vorbei und am frühen Abend sind wir wieder in der Abgeschiedenheit des Hotels angekommen.

Mich überfällt langsam die Müdigkeit, so dass ich auf das gemeinsame Abendessen verzichte, nochmals dusche, meine Trekking-Ausrüstung für den morgigen Tag richte und dann in einen sehr unruhigen und wenig erholsamen Schlaf sinke.

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