„Die Band“-Reloaded: Kapitel 2

Nach und nach waren sie alle eingetoffen; zuerst T.M., wie immer frisch frisiert und ganz leger gekleidet (er hatte sich dann doch für T-Shirt und Jeans entschieden), dann George, der nun doch nicht zu seiner Mutter gefahren war, da ihm auf halben Wege eingfallen war, daß er seine dreckige Wäsche zuhause vergessen hatte. Danach kamen Sticky Jones, ein stadtbekannter Schlagzeuger, der am heutigen Abend ersatzweise für die „Time“ sorgen sollte, da die Band nun mittlerweile schon seit einigen Monaten keinen eigenen Schlagzeuger hatte (Sticky hatte sich extra für diesen Abend eine neue Funk-Armbanduhr gekauft, da er wußte, daß vor allem John bei falscher „Time“ sehr schnell sehr wütend wurde), und als letzter Bert, der noch an einem „Döner de Luxe“ nagte (er hatte ja noch nichts gegessen).

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Nach einem kurzem Soundcheck (der wie immer damit geendet hatte, daß sich alle im Kreis aufstellten und sich gegenseitig eine Satz „heiße Ohren“ verpassten und dabei „We are on a yellow submarine“ sangen) waren alle hinter die Bühne gegangen und warteten jetzt auf ihren Auftritt. Der Lärmpegel im „Blue Note“ war inzwischen schon erheblich angestiegen, und als George einen Blick ins Lokal riskierte, waren schon fast alle Plätze belegt. Nur die Tische direkt vor der Bühne waren noch nicht besetzt, aber noch war ja genügend Zeit bis zum Auftritt.

„Sie werden schon noch kommen“ versuchte George sich einzureden, was ihm aber nicht gelang. Ganz im Gegenteil – er wurde nur noch nervöser.

In dem kleinen Zimmer hinter der Bühne versuchte jeder auf seine Weise mit seinen Nerven fertigzuwerden.

Irina, äußerlich völlig gelassen, saß auf einem alten Barhocker und beobachtete die anderen.

George steckte sich schon wieder einen neue Zigarette an und lief ständig von einer Ecke des Raumes zur anderen (eine Entfernung, die füe einen Mann mittlerer Größe kein Problem gewesen wäre, für George aber jedesmal ein richtiger kleiner Spaziergang war – vorbei an dem Tisch, deren Tischkante auf George´s Augenhöhe lag); Bert biß gerade in einen dieser fabelhaften Flammkuchen von Teq (er hatte schließlich noch (fast) nichts gegessen) und T.M. stand nun schon seit einer guten halben Stunde vor dem Spiegel und konnte sich nicht entscheiden, ob die Haarlocke nun links oder rechts besser zur Geltung kommen würde.

John redete wie immer ohne Unterlaß irgendwelchen Blödsinn – ein sicheres Zeichen dafür, wie nervös er war. Sticky verglich nun schon zum drittenmal innerhalb der letzten 5 Minuten seine „Time“, mit der, die die große Rathausuhr anzeigte, die man durch das halbgeöffnete Fenster an der gegenüberliegenden Straßenseite sehen konnte.

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Eine der Traditionen des „Blue Note“, die in den langen Jahren seiner Existenz entstanden, war der Beginn eines Konzertes. Schon seit jeher begrüßte Teq seine Gäste punktlich 5 Minuten vor 21.00 mit den immer gleichen Worten „Meine sehr verehrten Gäste, ein Strauß bunter Melodien erwartet sie …“. Danach folgten noch ein paar Worte über die jeweilige Band des Abends, ein immer wieder orgineller Witz und abschließend einige allgemeine Hinweise, die in der Erwähnung seiner Flammkuchen endeten (die er wirklich ausgezeichnet zuzubereiten verstand, aber das hatten wir schon).

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„Was noch nie jemanden interessierte, und darum auch noch nie jemand danach gefragt hat“ – Teil2:

„Im Jahre 1994 hat jeder Student und jede Studentin an den Karlsruher Hochschulen im Schnitt 1245 Blatt Toilettenpapier verbraucht“ (QUELLE: Badische Neueste Nachrichten).

Anmerkung der Autors: Bei einer geschätzen Blattfläche von 18x18cm2 hat demnach jeder Student und jede Studentin innerhalb eines Jahres gut 40m2 Papier, auf gut Deutsch gesagt, „vollgeschissen“ – was für eine Verschwendung !!!

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Mittlerweile war es 10 Minuten vor 21.00, und genau in diesem Moment passierten mehrere Dinge auf einmal – in der 35.Straße betrat eine auffallend elegant gekleidete Mitvierzigerin die „First National Bank“ und ging schnurstracks an den einzigen freien Schalter (um diese Zeit herrschte in der „First National Bank“ immer am meisten Betrieb) um 2000 Dollar von ihrem Privatkonto abzuheben, die sie für ein neues Kleid ausgeben wollte; in einem der unzähligen Straßencafés an der Westside verursachte eine kurz zuvor von einem Passanten achtlos fallengelassenen Bananenschale einen recht unangenehmen Zwischenfall, da eine der blutjungen Kellnerinnen darauf ausrutsche und den Inhalt ihres Tabletts (es handelte sich um zwei Coca-Cola Light 0.33 l (was genau 2 Kalorien entsprach), ein Kännchen Kaffee und ein mit Fisch und Salat belegtes Baguette) dem jungen Mann, der sie kurz zuvor noch so nett angelächelt hatte, auf seine Hose schüttete; der Radiosprecher vom örtlichen Privatsender „Funky UKW“ warnte vor freilaufenden Schimpansen in der Nähe des Zoos (ein Wärter hatte vergessen, das Tor zum Schimpansengehege zu verschließen) und im „Blue Note“ schritten drei unauffällig gekleidete Herren durch die nicht mehr vorhande Tür und bahnten sich eine Weg zu den Tischen direkt vor der Bühne, auf denen auf weißen Kärtchen in roter Schrift „Reserviert“ stand.

George, der schon wieder einen Blick ins Lokal riskiert hatte, fiel bei ihrem Anblick ein Stein vom Herzen.

„Sie sind also wirklich gekommen“ dachte er, und wurde dadurch aber nur noch nervöser, denn nun hatten sie es mit dem heutigen Auftritt selbst in der Hand, wie ihre musikalische Karriere weiterverlaufen würde.

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Kurz danach, und pünktlich wie immer, begrüßte Teq seine Gäste 5 Minuten vor 21.00, und nachdem er kurz auf den Werdegang der Band und ausgiebig auf seinen Flammkuchen hingeweisen hatte, gab er mit den Worten „Ladies and gentlemen  – THE BAND !!!“ die Bühne frei (Der immer wieder orginelle Witz lautete übrigens: „Gehen drei Tomaten durch die Stadt – Vater Tomate, Mutter Tomate und Tochter Tomate. Plötzlich hört Vater Tomate ein Geräusch, wie wenn eine Tomate von einer viel zu schnell fahrenden Essiggurke überfahren wird – er dreht sich um und muß mitansehen, wie Tochter Tomate tatsächlich von einer viel zu schnell fahrenden Essiggurke überfahren wird. „Ketchup“ sind seine letzten Worte bevor er die Essiggurke packt, sie zu einem schmackhaften Salat verarbeitet und diesen anschließend genüßlich verspeist. Danach nimmt er seine mittlerweile zu Ketchup gewordene Tochter, nennt sich ab diesem Zeitpunkt Heinz und wird zum uneingeschränkten Ketchup-König der gesamten westlichen Hemisphäre (Diesen Witz fand übrigens ein Filmemacher, der irgendwann einmal im „Blue Note“ war, so orginell, daß er ihn in einen seiner Filme in leicht gekürzter Fassung einbaute, wo er zugegebenermaßen den absoluten Höhepunkt des ganzen Filmes ausmacht, womit wohl alles über das Niveau dieses Filmes gesagt wäre).

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An dieser Stelle bietet es sich an, dem geneigten Leser und der geneigten Leserin einmal zu verdeutlichen, welche Gedankengänge der Autor dieser Zeilen durchwandern muß, um eine in sich logische Handlung zu produzieren, die sowohl aktuelle Themen behandelt, wie auch den Bezug zum geschichtlichen Hintergrund erkennen läßt.

Beim augenblicklichen Stand der Dinge bieten sich sicherlich mehrere Möglichkeiten an. Zum einen muß zuallererst die Frage nach der Identität der 3 unbekannten Männer geklärt werden – wer sind sie, daß ihre Gegenwart für alle so wichtig ist, und – was vielleicht noch viel wichtiger ist – was haben sie zum Frühstück gegessen ???

Desweiteren könnte man sich für den weiteren Verlauf des Abends die verschiedenste Varianten ausdenken – zum einen könnte der Auftritt der Band der totale Flop werden.

Die Band würde sich danach fürchterlich verkrachen und sich anschließend auflösen. George würde dann bis ans Ende seiner Tage Akten einsortieren, Gary müßte weiterhin irgendwelchen unsportlichen Hausfrauen beim Aerobic zuschauen, Bert würde zum heimlichen Strip-Poker-König der Stadt aufsteigen, T.M. würde zum ersten Eremiten werden, der in Wandschränken haust, Irina würde vor lauter Langeweile auf einem Frachter anheuern, auf diesem nach Timbuktu schippern, dort als Barpianistin Karriere machen, sich bei der Gelegenheit in einen gutaussehenden, dunkelhaarigen, timbuktuianischen Reisbauern verlieben, diesen heiraten und bis an das Ende ihrer Tage glücklich sein,  John würde bei Teq als Teilhaber des „Blue Note“ einsteigen, endlich wieder eine Tür anbringen lassen und das „Blue Note“ zum besten Club im ganzen Land machen, und der Autor schließlich könnte die ganze Geschichte sofort abschließen und endlich ins Bett gehen (es ist nämlich auch schon halb zwei in der Nacht).

Eine andere Möglichkeit wäre, daß unter den Gästen der Besitzer eines Plattenlabels sitzt, der so von der Show der Band angetan ist, daß er ihnen nach ihrem Auftritt sofort einen hochdotierten Plattenvertrag anbietet, und die Band damit innerhalb eines halben Jahres zur absoluten Topband des ganzes Landes avanciert. Es würden sich mehrere Tourneen durch die ganze Welt anschließen (verbunden mit all den positiven und negativen Begleiterscheinungen wie z.B. wilden Orgien mit irgendwelchen Groupies nach den Konzerten, exzessiver Drogenmißbrauch der Musiker oder unzählige Auftritte in Funk und Fernsehen), und die ganze Geschichte würde sich noch ziemlich lange hinziehen (der Autor fragt sich gerade, ob er das seiner verehrten Leserschaft und sich selber zumuten kann ???).

Als weitere mögliche Lösung würde sich anbieten, daß der Auftritt wie gewohnt abläuft, die Band und das Publikum für ein paar Stunden Spaß haben, ihre Alltagssorgen vergessen und sich alle am Montagmorgen um 8.00 wieder pünktlich an ihrem Arbeitsplatz einfinden (was aber zugegebenermaßen allzu langweilig wäre, denn so ist es ja im wirklichen Leben auch, und das ist wirklich nicht sehr interessant, geschweige denn ausreichend für den Stoff zu einer Geschichte).

Wie man also sieht, gibt es schon in dieser Frage beinahe unendlich viele Möglichkeiten, und der geneigte Leser und die geneigte Leserin (und natürlich auch der Autor selbst) sind sehr begierig darauf zu erfahren, wie es denn nun wirklich weitergeht.